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Le Petit Train d'Auteuil

 
Le Petit Train d'Auteuil Content : Colombey-les-Deux Eglises, 14 Uhr 30
Dunsa Manor (Yorkshire) Die Hunde, die Katzen
Reise zur Insel La Réunion
Golf von Bengalen, Trincomalee - Die grossen Affen
Katmandou - Cosette - Norgay Tensing
Flocken auf Auteuil - François Mauriac - Jean Racine
Fanjeaux und der Fürst der Finsternis
“Envoi de Fleurs …”, Forges-les-Eaux (Normandie), Dieppe ...
La Tour du Crieu - Sauto Barràlhos / Heckenspringer
Jean-Paul Sartre
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Katmandou - Cosette - Norgay Tensing

 

Freitag 28. Juli - Katmandu

Vor der Landung ist die Boeing der Burma Airways oft gezwungen, eine halbe Stunde lang in Erwartung der günstigen Aufhellung zwischen zwei Wolken zu kreisen.

            In Katmandu würde Cosette aus den Misérables wie eine kleine Prinzessin erscheinen, verglichen mit bestimmten Strassenszenen, in denen Kinder vorkommen. Hier verneigt sich ein kleines buckliges Mädchen, mit lebhaften Augen, in Erwartung irgendeines Almosens. Sie wiederholt geduldig ihr kleines Spiel und ich halte ihr einen Schlüsselring hin -- mit dem Wappen einer Fluggesellschaft -- den sie ohne ein Wort ergreift, bevor sie ihn irgendwo unter ihrem Rock verschwinden lässt. Dann entfernt sich das Kind und wagt sichtlich nicht mehr zu betteln. Erst bei der Abfahrt des Minibusses nähert sie sich erneut, kreuzt die Hände, senkt den Kopf bevor sie sich tief verneigt.

            In Katmandu, während das Flugzeug auf der Landebahn rollt bevor es zum Stillstand kommt, sieht man kleine untersetzte Menschen vor untersetzten Häusern : man könnte sich in Andorra in den 40er / 50er Jahren glauben.

            In Katmandu warten die auf der Chaussée ausgestreckten Kühe, dass die Automobilisten warten.

Donnerstag 29. Juli, 6 Uhr

            In Katmandu, gestern morgen, Ausflug nach Dhulikel, um die Kette des Himalaya zu besuchen, aber der Horizont, verstopft von den Wolken der Regenzeit, lässt die hohen Gipfel nicht ahnen.

            In Katmandu, gestern abend, Essen im Speisesaal des Hotels Annapurna, das Gruppen amerikanischer Touristen empfängt wie der Strand die Flut.

            In Katmandu, in diesem Augenblick, wachen zwei enorme, auf dem Hoteldach hockende Raubvögel auf, strecken ihre Federn und sehen sich plötzlich von vier oder fünf der frechsten Krähen angegriffen. Wenn der König von Nepal Nepalese ist, so stammt die Königin aus Indien.

            Der Vertreter der Gesellschaft Burma Airways, der gestern abend auf ein Glas kam, rät von einstündigen Ausflügen per Flugzeug um die Berge ab. Er ist Vater von sieben Kindern und gibt zu, nicht überrascht gewesen zu sein über seine Versetzung nach Katmandu, das heisst “ins Ausland”, denn Professor X, Hellseher in Rangoon, hatte ihm einen Posten im Ausland in den kommenden Jahren vorhergesagt.

            Das Gras der rechteckigen Rasenflächen um das Hotel sieht fast echt aus und die Rasenmäher mähen fast etwas.

            In Beirut stiegen die Düfte der Nacht aus den Orangenbäumen auf. In Katmandu greifen die Marktgerüche das Nasenloch so stark an, dass man sich wie etwas beunruhigt fühlt.

            In Dhulikel, einem örtlichen Hirten eine rustikale Violine (20 Jahre, 50 Jahre, 70 Jahre ? niemand kann ihr Alter sagen) abgekauft : die Passagiere des Minifahrzeugs kleben aneinander, um diese nepalesische “stradivarius” zu betrachten.

 

Samstag 31. Juli

            Im Hotel wechsle ich einige Worte mit dem Angestellten hinter der Theke, der, der uns bei dem Ausflug nach Dhulikel als Führer gedient hat. Das Gespräch kommt auf Norgay Tensing, den Sherpa-Bezwinger des Everest, der sich für die indische Nationalität entschieden hat und der jetzt in Darjeeling lebt und dessen Leistung unser Führer -- in einem Anfall chauvinistischer Wut -- herabsetzt, indem er unterstreicht, dass Tensing in Solosolo (irgendein Name !), das heisst genau an den Flanken des Everest, geboren ist, während er, in Katmandu, nur ein Führer in der Ebene ist.
       
            Der Mann an der Theke versichert mir noch, dass Nepal, ein neutrales Land, gute Beziehungen zu allen seinen Nachbarn unterhält : China (trotz des Lagers für tibetanische Flüchtlinge nicht weit von hier), Indien (trotz des wirtschaftlichen Drucks, den der enorm grosse Nachbar ausübt), Grossbritannien (trotz der Unteroffiziere, die die soliden Bergbewohner rekrutieren und sie in die in Singapore stationierten Ghurka Regimenter schicken, um der anderen Königin zu dienen, der Britischen).

            Gestern morgen, vergebliches Warten auf die Boeing 737 für die Rückkehr nach Rangoon und Bangkok : das Flugzeug war nach Calcutta geflogen und war da gelandet. Wut der anderen Passagiere, dabei ein griechischer Arzt und seine Gattin, die unaufhörlich auf die Langsamkeit und die Betrügerei der Autochthonen schimpfen (o Odysseus !), und verstärkte Empörung einiger anderer Entmachteter der okzidentalen Welt.

            In Katmandu, gestern nachmittag, Spaziergang in den schmalen, von winzigen Geschäften (Stil europäisches Mittelalter ?) gesäumten Strassen der Altstadt. Man muss im Zickzack gehen, wenn man die Autos, die Fahrrad-Rickschas und die ... Kühe vermeiden will, die mit ihrer schweren Masse die von der Hitze zu Terrassen geformten Gehsteige blockieren.

 

Dienstag 9 Dezember : Immer noch der Everest
             Was die Expedition von 1922 betrifft, die von einer Lawine, die sieben Sherpas umbrachte, beendet wurde, zeigten die Überlebenden den Film davon, der die Verteiler nicht interessierte, weil da eine Liebesgeschichte fehlte. Bernard Shaw sah den Film und kam zu dem Schluss : “Die Expedition zum Everest war ein Picknick in Connemara, das von einem Schneesturm überrascht wurde”. “Mavrone, mavrone !”, wie der andere sagte.

 

Claude d’Esplas (Le Petit Train d'Auteuil)
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Übersetzung Dagmar Coward Kuschke - Tübingen

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